Kleinitzer Lenke

Villgratental

Kleinitzer Lenke: 2614 m

Tour-Länge ab Volkzeiner Alm: 7 km Aufstieg: 740 Höhenmeter Dauer: ca. 4 Stunden


Von unserem Urlaubsort Heinfels ist es nur ein Katzensprung ins Villgratental. Eine unbefestigte Straße führt weit hinein ins Winkeltal, hinauf bis zur Volkzeiner Hütte auf 1884 m, Ausgangspunkt für Tagestouren zur Hochgrabe, zum Kleinen und zum Großen Degenhorn, zum Regenstein und zur Hochalmspitze. Und wer, wie wir heute, nicht ganz so hoch hinaus will, steigt z. B. zur Walderalm oder zur Leisacheralm auf, wandert durch frische Almwiesen und Heidekraut, hört Murmeltiere pfeifen, Schafe blöken und Wasserfälle rauschen.

Die ersten 230 Höhenmeter auf dem Wanderweg 324 sind echt steil. Da kommt die Bank mit Aussicht gerade recht. Kleine Pause gefällig? Na klar! Wir haben ja keine Eile und genießen den Blick zu den Gipfeln, die von hier aus beinahe unbezwingbar aussehen. Ganz links der Grabenstein (2665 m), auf dem wir vorgestern standen, und rechts erkenne ich das Gipfelkreuz auf dem Kleinen Degenhorn, das wir vor zwei Jahren „erobert“ haben. Sieht alles von hier aus gewaltig aus und macht ein kleines bisschen stolz.

 


Volkzeiner Hütte
Volkzeiner Hütte
Kleines Naturwunder: Ein Baum mit drei Stämmen
Kleines Naturwunder: Ein Baum mit drei Stämmen

Nach uns ist eine ältere Frau den steilen Pfad hinauf gestiegen. Topfit mit federnden Schritten. Wir grüßen, kommen ins Gespräch, und bevor sie weiter geht, lädt sie uns ein: „Uns gehört weiter oben eine kleine Hütte. Kommen Sie doch gleich auf ein Schnapserl vorbei.“

Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Eine gute halbe Stunde später sitzen wir an einem großen Holztisch vor der Tschuinggnhütte (2213 m) und plaudern mit Maria, ihrem Mann Jakob und Freunden der Familie über Gott und die Welt. Das versprochene Schnapserl wird in zünftigen kleinen Zinnstamperln serviert, dazu gibt’s ein kühles Radler zum Durstlöschen. Gemütlich ist es hier, und es gibt viel zu erzählen.

Maria und Jakob Bergmann leben in Außervillgraten und vermieten dort in einem urigen alten Bauernhaus im Ortskern eine Gästewohnung (Ferienhaus Schmieder, 9931 Außervillgraten), Sie haben fünf Kinder, alle blind. Eine Erbkrankheit. Was für ein Schicksal! Doch die Familie hat es offenbar großartig gemeistert. Alle Kinder stehen mitten im Leben und sind erfolgreich in dem, was sie tun. Maria erzählt von einer Tochter, die furchtlos in den Bergen herumkraxelt (natürlich in Begleitung) und von Sohn Jakob (47), Weltmeister auf der Steirischen Ziehharmonika, Instrumentenbauer und Komponist. Stundenlang könnten wir hier sitzen und plaudern. Aber wir wollen noch weiter. 


Maria rät uns, zur Kleinitzer Lenke aufzusteigen. „Der Weg ist nett. Nur zum Schluss wird’s steiler. Und von oben habt Ihr einen großartigen Blick hinüber zum Großglockner“, sagt sie. Und einer der Freunde fügt hinzu: „Wenn man genau hinsieht, kann man sogar die Stüdlhütte und die Adlersruh erkennen.“

Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Anfangs gehr’s tatsächlich mäßig steil bergan bis zur Leisacher Alm auf 2340 m, wo der deutliche Steig endet. Danach finden wir den Weg durchs von verzweigten Bachläufen und kleinen Wasserfällen durchzogene Gelände anhand rot-weißer Markierungen auf dem Boden. Die letzten 50 Meter sind sehr steil und anstrengend. Aber lohnend. Auf der Kleinitzer Lenke (2614 m) erwartet uns der versprochene Ausblick auf die berühmten Gipfelriesen. Beeindruckt sitzen wir auf einem Felsen, genehmigen uns ein Schinkenbrot aus der Jausendose und genießen den Fernblick. Der Himmel ist blitzblau, die Sicht großartig, und wir freuen uns, dass - dank Maria - aus unserer kleinen Wanderrunde doch noch eine ordentliche Tour geworden ist. 

Nach dem Abstieg, vorbei an der Leisacher Alm, durch Alpenrosenstauden, am Rande einer eindrucksvollen Bachschlucht und entlang steiler, aber gesicherter Abbrüche, landen wir gegen 18 Uhr wieder an der Volkzeiner Hütte, wo Wirt Toni den besten aller Kaiserschmarrn serviert und damit das i-Tüpfelchen auf einen perfekten Urlaubstag setzt.