Von Tortenglück, verzauberten Zwergen und einer Frau, die's einfach drauf hat

“Kuchen ist aus Teig  geformte Liebe“

(Wally Tschurtschenthaler)


Das Dorf Oberwielenbach (Vila di Sopra) sucht man auf gängigen Südtirol-Landkarten vergebens. Aber es soll zur Gemeinde Percha gehören, in einem Seitental des Pustertales. Und da finden wir immerhin eine Oberwielenbacher Straße. Das kann ja nicht so verkehrt sein, denken wir, und folgen dem Straßenverlauf, schlängeln uns durch satt-grüne Wiesen immer höher und höher, durch Percha hindurch  und darüber hinaus. Ob wir wohl noch richtig sind?

 

Gut, dass Theresia bei uns ist! Die Osttirolerin, FeWo-Vermieterin aus Abfaltern und im Laufe der vielen Jahre, die wir hier schon Urlaub machen, längst zur guten Freundin geworden, hatte die Idee zu diesem Ausflug. Sie war schon mal da, im Pyramiden-Café in Oberwielenbach. 

„Das ist zwar lange her, aber ich weiß noch, dass es irgendwo da oben ist“, sagt sie und zeigt rechts, auf die andere Seite eines Taleinschnitts, in unbestimmte Entfernung. „Auf jeden Fall können wir den Schildern zu den Erdpyramiden folgen.“

Denn in der Nähe dieses Naturdenkmals soll es sein, unser heutiges Ziel: Waltraud Tschurtschenthalers einzigartiges Kuchen-Paradies.

Ein paar Kilometer weiter, etliche Meter höher und diverse Kurven später stehen wir tatsächlich davor. Blitzsauberes Häuschen, große Sonnenterrasse mit Blick übers Tal und im Gastraum ein riesiges Kuchenbuffet mit sage und schreibe 20 verschiedenen Torten, von denen eine wie die andere einen Schönheitspreis der Konditoren-Innung verdient hätte. Da gehen sogar bei mir – und ich bin eigentlich keine Freundin süßer Speisen – die Geschmacksknospen in Habachtstellung. 

 

Waltraud Tschurtschenthaler, ihr Pyramiden-Café und ihre Torten sind über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Die Südtirolerin hat sich nicht nur in ihrer Heimat in die Herzen der Menschen gebacken. Auch aus Deutschland und Österreich kommen Gäste zum Kuchen-Schlemmen ins Café im 300-Seelen-Dorf . Obwohl man es auf der Landkarte nicht findet.. 

Wally, wie sie liebevoll von allen genannt wird, ist der Prototyp einer Powerfrau. Immer aktiv, immer unter Strom, praktisch, tatkräftig, unermüdlich und mit einem großartigen Humor gesegnet. Der Spruch „Geht nicht gibt’s nicht“ könnte von ihr sein.

Als sie 1989 beschloss, mit ihrem Mann Norbert im Haus der Schwiegereltern ein Café zu eröffnen und alle Kuchen selbst zu backen, wunderte sich sogar die Mutter. Ihre Tochter hatte die Handelsschule besucht und als Sekretärin im Kurhotel Bad Moos gearbeitet. Aber Backen????

Auf ihre Frage: „Wie willst Du das denn machen? Du hast doch noch nie einen Kuchen gebacken!“ antwortete Wally zuversichtlich: „Das wird man ja wohl lernen können.“

Und den Freunden, die davor warnten, am Arsch der Welt (O-Ton Wally), könne so ein Café doch gar keinen Erfolg haben, entgegnete sie: „Ihr werdet schon sehen: Auch am Arsch ist ordentlich was los.“

Zumindest, wenn Wally in der Nähe ist. Denn der Tagesablauf der Mutter zweier Töchter lässt keine Lücken.

„Ich stehe jeden Morgen um fünf Uhr auf und backe 20 bis 23 Torten. Danach führe ich mit Norbert das Café. Oft ist auch eine meiner beiden Töchter dabei. Wir haben gut zu tun.“

Längst haben die Tschurtschenthalers nicht nur Kuchen im Angebot. Auch ihre warme Küche ist gefragt. Gerichte mit Pfifferlingen und Steinpilzen sind der Renner.


Theresia im Torten-Glück
Theresia im Torten-Glück

Doch zurück zu den Torten-Kreationen, deren Rezepte Wally inzwischen in drei Büchern zusammengefasst hat. Auch das auf ihre eigene Art. Mit kleinen Geschichten aus ihrem Leben. Liebevoll, persönlich, amüsant. Jedes einzelne Rezept trägt den typischen Wally-Stempel, von der Maulwurf-Torte bis zur Schoko-Minze-Torte. Originell, unkompliziert, bildschön anzusehen. Wally Bücher machen Lust aufs Backen. Und das Kuchenbuffet im Pyramiden-Café Lust aufs Essen. 

Damit jeder Gast auch möglichst viele der Herrlichkeiten probieren kann, bietet Wally ein Torten-Tris an. Drei verschiedene Sorten nach Wahl in etwas schmaleren Stücken. Und weil hier alles mit leichter Hand gemacht wird, können es auch gern mal fünf Stücke sein. Nicht wahr, Theresia?

Power-Duo Wally und Ehemann Norbert
Power-Duo Wally und Ehemann Norbert


Wallys Backbücher


Eigentlich wollte Waltraud Tschurtschenthaler ihre Rezepte erst verraten, wenn sie sich mal zur Ruhe setzt (was sich bei ihr eh niemand vorstellen kann). Dann hat sie es sich Gott-sei-Dank doch anders überlegt. 2016 erschien ihr erstes Buch „Back Dich glücklich“ im Athesia-Tappeiner Verlag. Es folgte 2018 „Wallys Kuchenzauber“, und ihr neuestes Werk, „Wallys Kuchenparadies“ kam im September 2020 auf den Markt.



Und nach dem Kuchenschmaus geht's                  zu den verzauberten Zwergen


Wer nach dem Kuchenschmaus (oder wahlweise auch davor) klugerweise ein paar Schritte tun will, ist mit einer Wanderung zu den Erdpyramiden bestens bedient. 

Der sehr liebevoll angelegte Pyramidipfad führt rund zwei Kilometer durch Wald und Wiesen. Gut 180 Höhenmeter sind zu überwinden. An der Strecke immer wieder Informationen, Fragen & Antworten, teils in Fels geritzt, Steinmännchen, Infos zu verschiedenen Gesteinsarten und spielerische Aufgaben für Kinder, die auch Erwachsenen Freude machen.

Am Ziel bietet ein kleiner, privat angelegter Park mit mehreren Aussichtsplattformen den Blick auf die bis zu 30 Meter hohen Erdpyramiden. Eindrucksvolle Wunder der Natur, die im wechselnden Licht des Tages unterschiedliche Farben annehmen. 

Auf Informationstafeln wird erklärt, wie die Säulengebilde mit dem Stein obendrauf entstanden sind: im Laufe mehrerer Jahrhunderte durch Erdrutsche und Erosionen. 

Mich persönlich überzeugt aber eher die Legende, die man sich in Percha erzählt: dass es sich bei den steinernen Pyramiden um von einer Hexe verzauberte Zwerge handelt. Klingt doch logisch, oder?


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Kommentare: 1
  • #1

    Uwe Krist (Freitag, 15 Oktober 2021 20:42)

    Die Geschichte und ihre Geschichtchen machen ebenso besten Appetit wie die Torten. Schoko - Minze!! Mama mia!!