Sonne, Wind und Tandaradei – Zum Radeln und Wandern an die Schlei


Plattes Land, auf dem man freitags schon sieht, wer sonntags zum Kaffee kommt? Nee, total daneben. Hier oben, nördlich von Kiel und östlich von Flensburg, ist die Landschaft ganz schön hügelig. Das merkt man spätestens, wenn man mit dem Fahrrad auf einer der 15 Thementörns rund um Kappeln unterwegs ist. Da kommt die Gangschaltung mitunter ganz schön ins Rotieren.

Die Schlei-Region ist durch die TV-Serie „Der Landarzt“ zwar berühmt geworden, Massentourismus ist hier trotzdem ein Fremdwort. Während andere Ostsee-Strände dieses Jahr wegen Überfüllung schließen mussten, präsentiert sich die Landschaft rund um die Schlei als ruhige Idylle.

„Irgndwie verläuft sich hier alles“, wundert sich auch Martina Kink vom Boutique-Hotel Pierspeicher direkt am Yachthafen von Kappeln. Das Hotel – 17 moderne Zimmer, Studios und Suiten in den historischen Mauern eines ehemaligen Kornspeichers – ist idealer Ausgangspunkt für Touren in die Umgebung. Wir fahren gleich nach unserer Ankunft am frühen Nachmittag zum Café Lindauhof, das ehemaligen Haus des Landarztes., wo im idyllischen Garten hausgemachter Kuchen nach traditionellen Rezepten serviert wird. Mein Tipp: die Eierlikör Torte. Mmmmmh!

Das Mmmmmh wiederholt sich am Abend. Die Scholle mit Nordseekrabben im Pierspeicher-Restaurant „Land & Meer“ ist ebenfalls super lecker.

Boutique Hotel Pierspeicher in Kapseln
Boutique Hotel Pierspeicher in Kapseln

Am nächsten Tag begleitet uns Martina auf einer Radtour durchs gar nicht platte Land.  Wir haben uns den Herings-Törn ausgesucht, eine Route – auf der immerhin rund 100 Höhenmeter zu überwinden sind –, die aber mit Heringen wenig zu tun hat. Außer, dass wir von der modernen Schleibrücke, die sich immer um viertel vor .... für die Schiffe öffnet, einen guten Blick auf den historischen Heringszaun haben, der sich hier seit 500 Jahren durch die Schlei zieht.  Aber die Tour gefällt uns auch ohne weitere Heringe super. Wir fahren durch die grüne Schlei-Landschaft bis zum weißen Ostseestrand, legen eine Badepause am Weidefelder Strand ein, queren die Schlei mit der Fähre nach Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands, und genehmigen uns in der urigen Schleiperle einen leuchtenden Aperol-Spritz. Danach fahren wir weiter zur Strandhalle und lassen uns ein Fischbrötchen schmecken, bevor wir am Ufer entlang zurück nach Kappeln radeln. 

Noch ein paar Schritte durch den Ort, in dem mir vieles bekannt vorkommt, obwohl ich noch nie hier war. Aber 297 Folgen „Der Landarzt“ haben ihre Spuren hinterlassen. Das Dorf Deekelsen, in dem der TV-Doktor (zuerst gespielt von Christian Quadflieg, dann von Walter Plathe und zuletzt von Wayne Carpendale) praktizierte, gibt es in Wirklichkeit nicht. Stattdessen wurde an vielen Straßen und Plätzen in Kappeln gedreht. Das Rathaus von Deekelsen, die Nikolaikirche, Marktplatz, Polizeistation – alles Kappeln. 



Am Samstag bleiben die Räder in der Garage. Wir fahren mit dem Auto zum Naturschutzgebiet Geltinger Birk, eine Landzunge am Ausgang der Flensburger Förde, und wandern von der reetgedeckten Mühle Charlotte zunächst bis zur Naturschutzwarthütte und dann auf dem Konikweg durchs Naturparadies. Hobby-Ornitologen können hier im Laufe des Jahres rund 200 Vogelarten beobachten, von der Tüpfelralle bis zum Karmingimpel. Aber auch Galloway-Rinder, Ziegen und Wildpferde (Konigs) sind hier zu Hause. Wir wandern (rund 6 km), gucken, staunen – und belohnen uns am Nachmittag mit leckeren Aal-Brötchen  im Fischerdorf Maasholm. 


Das idyllische Dorf auf einer Halbinsel zwischen Schlei und Ostsee ist eine Art lebendiges Bilderbuch. Schmale, Kopfstein-gepflasterte Gassen, Blumen-geschmückte Häuschen, reetgedeckte Fischerkaten, denkmalgeschützte Anlegestellen für Schleikähne – mich wundert's nicht, dass es schon mehrfach als „Schönstes Dorf Schleswig Holsteins“ ausgezeichnet wurde. 


Am Abend sitzen wir noch lange auf der Terrasse des Pierspeichers. Die Luft ist lau, die Lichter der Yachten spiegeln sich in der Schlei, am Himmel wacht die Sichel des Mondes. Echt schön hier. Wir kommen wieder. Vielleicht schon im Oktober. Der Indian Summer soll hier ganz besonders idyllisch sein.

 


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